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5
Okt

Die wahre Bedeutung der New Work: Trend oder Revolution?

Dr. Martin Völkl

Als New Work wird eine Arbeitswelt mit flachen Hierarchien, mehr Agilität und positiven Menschenbildern bezeichnet oder steckt hinter dem neuen Begriff doch nur ein Kickertisch, Freizeitkleidung und ein Obstkorb? Und können Unternehmen den Megatrend New Work wirklich umsetzen und somit zu einer verbesserten Arbeitswelt beitragen?

Die Bedeutung des Megatrends New Work

Die Gesellschaft befindet sich im Wandel von der Industrie- hin zur Wissensgesellschaft. Mit diesem Wandel einher, gehen auch ganz alltägliche Veränderungen in der Arbeitswelt. Nicht zuletzt mit dem Eintreten der Generation Y, auf den Arbeitsmarkt, mussten Unternehmen umdenken, umstrukturieren und ihre Arbeitskultur umwandeln. Doch wie genau sieht dieser Wandel aus? Der Begriff bzw. die Definition der New Work sollte diesen Wandel beschreiben und für Unternehmen zunächst wie eine Art Richtlinie dienen. Die ursprüngliche Idee der New Work stammt von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, der in den Siebzigern das Theoriekonzept der neuen Arbeit entworfen hat.

Das Konzept der New Work zeichnet sich, nach Bergmann dadurch aus, dass das Prinzip der Lohnarbeit umgekehrt wird. Das Prinzip der Lohnarbeit richtet sich nach dem Prinzip von Mittel und Zweck.  Das Mittel ist der Mensch und der Zweck ist die Arbeitsaufgabe die erledigt werden muss. Demnach fungiert der Mensch lediglich als ein Werkzeug, welches beispielsweise die Maschine bei der Produktion unterstützt.
Nach Bergmanns Prinzip der neuen Arbeitswelt, wird dieses Verhältnis umgekehrt. Das bedeutet, dass die Arbeit vielmehr als Mittel dienen soll, welches zur Selbstverwirklichung des freien Individuums jedes Menschen beiträgt und dient. Im Fokus Bergmanns Theorie geht es vor allem um eine sinnstiftende Arbeit, welche von Werten wie Freiheit und Selbständigkeit geprägt ist. Die Kernaussage nach Bergmanns Definition der neuen Arbeit ist demnach, dass New Work jene Arbeit ist, die der Mensch wirklich verrichten möchte.

Die New Work von heute

In unserer heutigen Arbeitswelt hat sich die Perspektive von individueller Freiheit hin zu einer Art Überlebensstrategie verschoben. Für Unternehmen ist es mehr denn je  notwendig, in unserer digitalisierten Arbeitswelt umzudenken. Der permanent herrschende Wettbewerb zwingt Unternehmen laufend dazu neue Lösungen zu finden und somit entwickelt sich die New Work zu einem Versprechen. Das Versprechen der Unternehmen sich stetig anpassen und umdenken zu können, um mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung mithalten zu können.

Jedoch richten sich die Menschen ganz allgemein heutzutage neu aus. Die nachrückenden Generationen, aber auch viele erfahrene Fachkräfte haben inzwischen andere Vorstellungen von ihrer Arbeit, als noch vor 20 Jahren. Werte wie Sinnstiftung, Verantwortung und Selbstständigkeit werden unter dem Zeichen der Work-Life-Balance vereint und auch so verlangt. 
So passiert es, dass Arbeitgeber mit beispielsweise dem Ablegen der Businesskleidung, einem Kickertisch oder dem per „Du“ den Mitarbeitern das Gefühl einer New Work vermitteln zu versuchen. Doch leider ist die neue Arbeitswelt nicht so einfach gestrickt, wie es der ein oder andere Unternehmer gerne hätte.
Trotz des versucht lockeren Umgangs zwischen Führungsregie und den Mitarbeitern, ist beim Recruiting das Gehalt oft immer noch ein Tabuthema. Doch gerade dieses Umdenken und die Forderung von vielen Arbeitnehmern nach mehr Transparenz beim Gehalt zeichnet New Work bzw. New Pay aus.

Bedeutet New Work = New Pay?

Leistungsgerechte Vergütung und Boni sind eher kritisch zu betrachten, da diese oft keinen Raum zur agilen Anpassung bieten und viele Unternehmen vergessen, dass die Bezahlung somit als Werkzeug zur Orientierung für Mitarbeiter dient, was bestraft und was belohnt wird. Somit bleibt häufig der gewünschte Unternehmenserfolg trotz extra Vergütung aus. Boni sind meist zu starr und unflexibel und dem Mitarbeiter wird das Gefühl vermittelt, für Geld anstatt für den Kunden zu arbeiten.
Hingegen sollten Unternehmen versuchen eine individuelle Bezahlung, orientiert am Wertbeitrag ihrer Angestellten, zu gestalten.
Diese können im Sinne der New Work beispielsweise wie folgt gestaltet werden:

  • Die Mitarbeiter können ihre Bezahlung selbst mitgestalten.
  • Alternative Reize im Gegensatz zu den Boni.
  • Gehaltsprozesse und/oder Gehaltssummen sind transparent für die Mitarbeiter.
  • Freizeit und Flexibilität werden als Alternative zu mehr Gehalt geboten.
  • Das Gehalt sollte immer im gesamten Unternehmen fair bleiben, sodass für die gleiche Arbeit immer das gleiche Gehalt bezahlt wird. Hierbei kann eine HR Software unterstützen.

Nicht alle Ansätze sind in jedem Unternehmen umsetzbar, weshalb jedes Unternehmen sich auf jeden Fall am Nutzen orientieren sollte und den Gehaltsprozess nach Berufsbild und Branche ausrichten.

Arbeitswelt 4.0: New Work?

Der Begriff New Work wird in vielen verschieden Kontexten verwendet und beschreibt die unterschiedlichsten Arbeitsmodelle verschiedenster Organisationen und Unternehmen. „Neue“ Human Resources Strategien wie Jobsharing oder agile Arbeitsmethoden (Agile HR) wie Scrum werden oft als New Work-Modelle beschrieben. Auch zählen digitalisierte Arbeitsformen, wie etwa die Arbeit mit Social-Media-Kanälen, zur neuen Arbeit. Aber zentral bedeutet New Work, der Definition nach, dass der Mensch das tut was er liebt. Somit können zwar verschiedene Methoden entwickelt werden, die den Arbeitnehmer dabei unterstützen, seine Arbeit zu mögen, jedoch ob er deshalb seine Arbeit „liebt“ ist fraglich.
Allgemein kann man eher sagen, dass New Work das Ergebnis eines langen Prozesses ist, der mit der Frage „was möchte ich wirklich tun?“ beginnt. Bislang ist New Work eine Vision, welche teilweise zur Wirklichkeit wurde und teilweise noch weit entfernt ist. Die Möglichkeiten und Mittel seine beruflichen Träume zu verwirklichen sind jedoch heutzutage vielfältiger als noch vor dem Internet. Youtuber, Blogger und Influencer können Online-Plattformen gratis nutzen, Menschen mit innovativen Ideen können diese Dank Crowdfunding verwirklichen und um etwas bestimmtes zu lernen, gibt es viele Apps und Tipps im Internet, die dies möglich machen. 
Man kann aber nicht behaupten, dass jeder Mensch wirklich das tut was er gerne und wirklich möchte. Die Zeichen des Wandels sind in den meisten Unternehmen bereits angekommen, nicht zuletzt hinsichtlich der Einstellung der jungen Generation sondern auch aufgrund der neuen Erwartungshaltung von Kunden. Unternehmen die sich nicht an die neuen Lebens- und Arbeitsbedingungen anpassen, werden langfristig keine Erfolge mehr verzeichnen können.

Wie kommen Unternehmen von Old Work zu New Work?

Natürlich stellt sich nun die Frage wie Unternehmen den Übergang von Old Work zu New Work gestalten können. Karriere und Geld stehen nicht mehr im Fokus von Jobsuchenden und Mitarbeitern. Somit müssen Unternehmen sich vermehrt interessant machen und Innovation beweisen, um attraktiv zu wirken. Neben dem Obstkorb am Arbeitsplatz und Sportangeboten für Mitarbeiter, gibt es weitere flexible Aspekte der New Work:

  1. Aus der Arbeitszone eine Wohlfühlzone gestalten
    Ebenso wie die Arbeitskultur im Allgemeinen im Wandel ist, wandelt sich auch die Office-Kultur. Start-Ups und kleine Unternehmen sind hier oft schon Vorreiter, wenn es darum geht aus der kargen und tristen Bürolandschaft eine Wohlfühlzone für alle Mitarbeiter zu gestalten. Das bedeutet, dass die Büros eher wie eine Wohngemeinschaft gestaltet werden und Hierarchien kaum vorhanden sind. Somit wird den Mitarbeitern ein Raum geschaffen, in dem sie sich wohlfühlen, jeder sich frei entfalten kann und seine eigene Persönlichkeit entwickeln kann. Beispielsweise kümmert sich ein Feel Good Manager oder ein Corporate Culture Coordinator um die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

  2. Örtliche Selbstgestaltung
    Je nach Branche oder Tätigkeit, ist der Mitarbeiter nicht unbedingt an einen festgelegten Ort des Büros bzw. des Arbeitens gebunden. Dank der Digitalisierung und dem Internet ist es vielen Mitarbeitern möglich von überall aus zu arbeiten und dies sollten Unternehmen unbedingt befürworten, beispielsweise durch Home Offices. Über ein firmeneigenes Social Intranet können Mitarbeiter zum Beispiel ortsunabhängig miteinander arbeiten, kommunizieren und an Projekten arbeiten.

  3. Zeitliche Unabhängigkeit
    Festgelegte Arbeitszeiten können zwar den Arbeitnehmern ein Gefühl von Sicherheit geben, jedoch fühlen sich die meisten hierdurch eingeengt und unflexibel. Viele Arbeitnehmer wollen ausbrechen aus der Routine, innovativ sein und sich neuen Herausforderungen stellen und ein klassischer 9-to-5 Job macht das gar unmöglich. Nicht jeder Arbeitnehmer ist ein Frühaufsteher und nicht jeder möchte später anfangen zu arbeiten und abends länger bleiben. Möchte ein Arbeitgeber individuell auf seine Arbeitnehmer eingehen und jedem die Möglichkeit der Selbstentfaltung bieten, so ist ein wichtiger Schritt, dem Arbeitnehmer die Möglichkeit des eigenen Zeitmanagements zu geben.

Die Arbeitswelt der Zukunft 

Noch ist ungewiss, wie die Arbeitswelt der Zukunft und somit die New Work tatsächlich aussehen wird. Dennoch lassen sich einige Personalentwicklungen hin zur New Work schon erahnen, wie diese teils gestaltet sein wird und in weiten Teilen auch schon ist: so sind viele Unternehmen und Arbeitgeber zu der Einsicht gekommen, dass feste Strukturen und strenge Hierarchien nicht das produktive Arbeiten fördern.
Allerdings bleiben viele Fragen auch noch offen, beispielsweise ob eine neue Arbeitswelt keine langfristigen Arbeitsverhältnisse mehr vorsieht oder wenn Maschinen irgendwann größtenteils das Arbeiten übernehmen, wie wird dann gearbeitet? Der New-Work-Ansatz versucht auf solche Fragen antworten zu finden, jedoch sind dies lediglich Zukunftsvisionen.

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